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Gretchenfragen und Schulen des Lebens

Rastatt (eva) „Nun sag‘ mir, wie hast du’s mit der Religion?“, wird Faust von Margerete befragt – diese Frage gilt gemeinhin als Gretchenfrage und eine solche als eine Gewissensfrage, eine Grundsatzfrage, die den Befragten durchaus bedrängt und ihm unangenehm sein kann. Der windet sich bei der Antwort dann so, wie Goethes Faust versucht, der fragenden Zumutung Margaretes auszuweichen.

Zumutungen brauchen Mut – und den hatte die Abiturkommission für die Pflichtlektüren im baden-württembergischen Deutschabitur und setzte einmal wieder Goethes Prankenschlag „Faust. Eine Tragödie “ von 1808 als eines der drei sogenannten Sternchenthemen fürs Deutschabitur fest. Für heutige Schülerinnen und Schüler stellen Goethes entfesselte Sprachgewalt, seine Gedanken- und Motivvielfalt und sein Renitenz gegenüber allen Vorstellungen von einem well made play durchaus gehörige Zumutungen dar. Leichter erlebt sich Goethes Sprache, wenn sie in einem Theater gesprochen wird. Deshalb haben die Bühnen der Region sich „Faust I“ und „Faust II“ angenommen und lassen die zukünftigen Abiturienten das Drama durchaus sinnlicher und komödiantischer erfahren, als es sich ‚nur‘ im Klassenzimmer erleben ließe.

Deshalb führte Deutschlehrerin Eva Kormann die Jahrgangsstufe 1 des informationstechnischen Profils an der Josef-Durler-Schule Rastatt in eine Aufführung des „Faust“ am Badischen Staatstheater Karlsruhe. Die Schülerinnen und Schüler, die im nächsten Jahr ihre Abiturprüfung ablegen werden, sind inzwischen schon erfahrene Theatergänger und überhaupt neugierig auf die Welt. Was lag also näher, als die Klasse, wenn man schon in Karlsruhe ist, auch mit anderen Karlsruher Institutionen bekannt zu machen, in denen es gelegentlich um Gretchen-Fragen geht. Und so besuchte die Klasse den Karlsruher Bundesgerichtshof und dort eine Verhandlung, in der es zwar nicht um Leben und Tod wie letztlich für Margarete im „Faust“ ging, aber doch immerhin um die großen finanziellen Folgen einer kleinen Frage – „Liebling, hast du die Kasko-Versicherung gekündigt?“

Text und Foto: Prof. Dr. Eva Kormann

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