Wie schwer ist diese Tür? Yanic, ein Schüler der Klasse TGI 12 und Mitglied im Historischen Verein Rastatt, führte die Schülerinnen und Schüler seiner Klasse vor den Pfingstferien im Rahmen einer GFS durch den Westwallbunker vom Typ Regelbau 10 an der Kehler Straße in Rastatt. Dafür mussten seine Mitschüler zunächst die 400 Kilogramm schwere Eingangstür des Bunkers überwinden und versuchen, sie zu bewegen – was gar nicht so einfach ist!

Im Entengang ging es zunächst unter der 1,5 Meter dicken Decke in einen Vorraum. Hier konnte man seine Kleidung ablegen, um eventuell darin gesammelte Gase nicht mit in den Hauptraum zu nehmen. Mit 22 Schülerinnen und Schülern befanden sich sieben Personen mehr im Raum als bei Vollbesetzung während des Krieges. „Hier haben die Soldaten auf Dreier-Stockbetten geschlafen. Sie hatten einen Ofen, haben gegessen und getrunken und ihre Notdurft verrichtet“, erfuhren die Schüler. Zu Kriegszeiten befanden sich stets drei Mann an einem Maschinengewehr in einem kleinen separaten Raum, der Richtung Frankreich ausgerichtet ist.

Die Schülerinnen und Schüler stellten rege Fragen: „Wie kam Luft in den Bunker?“, „Woher kam das Wasser?“ und „Gab es einen Notausgang?
In und um den Bunker habe es nie Kampfhandlungen gegeben. Die Verteidigungslinie sei bereits vor der Annexion des Sudetenlandes gebaut worden, aus Sorge, Frankreich könnte als Reaktion auf die geplante Aneignung tschechischen Territoriums Deutschland angreifen.
Vor dem Bunker waren einige Fundstücke aus der Region ausgestellt: ein Reichsautobahnschild sowie die Räder eines Panzerwagens, die später als Pferdewagenräder genutzt wurden. Boris Traub vom Historischen Verein Rastatt ist stets auf der Suche nach Überbleibseln aus der NS-Zeit, um im Westwallbunker weitere Fundstücke präsentieren zu können. So entdeckte er die Panzerwagenräder auf einem Bauernhof und rettete sie vor dem Schrottplatz.
Im Rahmen der anschaulichen Führung wurde schließlich auch der Notausgang des Bunkers gezeigt. Dieser ist als Schleuse mit zwei dicken Eisenplatten ausgestattet, die nur nach innen herausgenommen werden konnten. Außen sind Kies und Erde aufgeschüttet. Um von außen hineinzukommen, hätte man also auch hier rund 400 Kilogramm bewegen müssen.
Die Führung vermittelte den Schülerinnen und Schülern einen eindrucksvollen und anschaulichen Einblick in die Geschichte des Westwalls und die Lebensbedingungen der Soldaten in einem Bunker. Durch die fachkundige Leitung von Yanic und die Möglichkeit, den Bunker unmittelbar zu erleben, wurde Geschichte greifbar und verständlich. Die zahlreichen Fragen der Klasse zeigten das große Interesse an diesem besonderen Lernort.
Text: Thorsten Lenz, Heidi Skirde
Fotos: Thorsten Lenz
